In diesem Artikel erfährst du, welche sechs menschliche Verhaltensweisen gute Beziehungen bedrohen, wo sie herkommen und wie du sie ausschalten kannst.

„Between stimulus and response there is a space.

In that space is our power to chose our response.

In our response lies our growth and our freedom.“ -Viktor Frankl

Spannungen und Konflikte in Beziehungen sind unvermeidbar. Es sind meist solche Momente, in denen eine Erwartung von dir durch den anderen unterbrochen, verletzt, nicht erfüllt wird. Es sind oft die kleinen störenden Momente, in denen du mit gegenteiligen Meinungen, mit Vorwürfen, oder Taten eines anderen konfrontiert bist, die du überhaupt nicht nachvollziehen kannst.

Mal ganz ehrlich, wieviele solcher Momente haben wir in unseren Beziehungen und wie schnell ist dann der andere ein Vollidiot?

Solche Momente sind völlig normal! Nicht normal allerdings ist, dass daraus ein Schaden für die Beziehung resultieren muss. Es kommt auf deine Reaktion an.

Reaktionen, die dich nicht weiterbringen

Es gibt sechs häufige Verhaltensmuster, mit welchen Menschen in solchen Momenten intuitiv reagieren. Ich bitte dich jetzt mal in dich reinzuhören bei welchen Reaktionen du dich in solchen Momenten angesprochen fühlst:

1 – Verstummen

Wenn der andere etwas macht, das dir nicht gefällt, kehrst du in dich und übst dich in akutem Schweigen. Für einen Moment erzeugst du so für dich das Gefühl dagegen anzugehen.

2 – Verschwinden

Du löst die Situation für dich dadurch, dass du dich ihr und der Person entziehst. Damit erhält dein Kontrahent keine Chance, mit dir auf einen grünen Zweig zu kommen, denn du strafst ihn mit deiner Abwesenheit.

3 – Verurteilen

Anstelle das Verhalten des anderen zu beschreiben (z.B. „Ich fand das ganz schön gemein, was du getan hast“) verurteilst du ihn mit der Schlussfolgerung „Du bist gemein“.

4 – Polarisieren

Deine Augen malen ein schwarz-weiß-Bild von der Situation. Dein Gegenüber liegt falsch – und du hast Recht. Du erlaubst keinerlei Spielraum für Interpretation. Keinen Platz dafür zuzuhören, an welcher Stelle du den anderen vielleicht doch verstehen könntest.

5 – Verleumden

Anstelle direkt mit der Person zu reden, sprichst du mit anderen Menschen darüber und mehr oder weniger bewusst würdigst du die Person in deren Augen herab.

6 – Aktives Verletzen

Du gehst mit zynischen oder bösartigen Worten direkt in den Angriff über, um die andere Seite zu verletzten.

Aber wie kommt es nur, dass diese Verhaltensweisen so sehr in uns drin sind?

Die Stimme, der du ergeben bist

In dem Moment der Reaktion ist diese für dich nur all zu logisch. Denn eine Stimme in deinem Kopf denkt sich dann „Das geht doch nicht…“ und „Wie kann es nur sein, dass…“ usw. Die Stimme in deinem Kopf erinnert dich immer wieder daran, was für dich richtig oder falsch, was gut und schlecht, fair und unfair ist.

Die Stimme erinnert dich an eine Rolle, die du vor langer Zeit schon in deinem Leben eingenommen hast. Und sie will pausenlos Recht haben. Diese Stimme ist ein Egoist. Durch und durch.

Aber sie offenbart eine riesige Chance:

Weil du diese Stimme hören kannst, weißt du dass du diese Stimme nicht bist. Du hast sie nur in dir und sie begleitet dich auf Schritt und Tritt.

Je mehr wir zum Diener dieser Stimme werden, desto bescheuerter verhalten wir uns.


Warum? – Weil wir – drastisch gesagt – alle ein Problem haben. Wir alle haben es:

Letztendlich haben wir nur Angst. Angst, nicht anerkannt zu werden. Angst, nicht genug zu sein, Angst vor Verlust. Und Angst davor, nicht Recht zu haben. Aus dieser Quelle entspringen alle unsere Gefühle. Gefühle, die uns antreiben im Affekt so zu reagieren, dass wir unsere Wahrheit mit allen Mitteln beschützen wollen. Denn diese Wahrheit ist unser Weltbild. Es definiert nichts geringeres als unsere Identität. Um sie zu erhalten, zahlen wir beinahe jeden Preis.

Klingt unumstößlich, aber was können wir dagegen tun?

 

Die Maske, ohne die es manchmal besser wäre

Im Grunde sind wir alle Schauspieler auf der Bühne des eigenen Lebens. Die Stimme ist der Regisseur, der seine Story von uns geliefert haben möchte. Sobald uns jemand unsere Rolle streitig macht, geraten wir unter Druck. Wir klammern uns daran fest samt Kostüm und Maske, oft bis zum bitteren Ende.

Um unser Weltbild zu verteidigen reagieren wir verrückt, aber…

 

Ohne Maske bleiben oft nur Reaktionen, für die wir uns schämen.

 

Es müsste also gelingen diese Maske abzunehmen.

Das soll nicht heißen, dass wir unsere Gefühle in gewissen Situationen vollständig steuern können, aber vielleicht gibt es ja einen Weg die Reaktionen auf die Emotionen zu kontrollieren.

 

Es müsste doch ganz einfach sein:

 

  • Anstelle zu schweigen, sprich mit dem anderen.
  • Anstelle zu verschwinden, bleibe und stell dich dem anderen.
  • Anstelle dein Gegenüber pauschal abzustempeln, konzentriere dich bei deiner Kritik auf sein Verhalten. Arschlöcher sind keine Arschlöcher, sie verhalten sich nur so.
  • Anstelle Dinge schwarz und weiß zu malen, lasse eine gewisse Komplexität zu. Unser Leben ist vielschichtig und es gibt eine unwahrscheinlich große Grauzone. Warum kann es nicht so sein, dass beide Recht haben.
  • Anstelle eine Propaganda-Kampagne bei deinen Mitmenschen loszuschlagen, sprich mit einer geerdeten Person, bei der du dir eines ehrlichen und neutralen Wortes sicher sein kannst. Lass dir helfen, deine Gedanken zu sortieren.
  • Und sei grundsätzlich zurückhaltend mit Worten und Aussagen, bei denen du dir vielleicht schon morgen wünschen würdest sie zurücknehmen zu können.

Doch was tun, wenn uns diese Besonnenheit im Eifer des Gefechts einfach nicht gelingen will?

 

Dem Raum zwischen Störung und Reaktion wohnt ein Zauber inne.

 

Wenn dich eine Situation übermannt, wenn deine Alarmglocken wild zu läuten beginnen… Für solche Momente habe ich eine mächtige Methode, um Herr über deine Situation zu werden:

 

Freeze!!! Stell jegliche Reaktion ab!

Mit anderen Worten: Sei nicht-reaktiv!

Beweg dich aus deinem Kopf heraus und werde zum Beobachter deiner Situation.

Löse dich von deiner Stimme, lass sie an dir vorbeiquasseln.

 

Denn in dem Moment hast du keine Zeit für sie. Weil du dich nur für die Sicht der anderen Person interessierst.

Ziehe den Moment der Störung deiner Welt in die Länge, bevor du reagierst!

 

Das Zauberwort lautet DU!

 

Ohne zu bewerten und ohne etwas entgegenzusetzen gibst du jetzt einfach wieder, was du über den anderen beobachtest – und zwar nur mit Du-Botschaften.

„Du bist also der Meinung, dass…“ „
„Wenn ich es richtig verstehe möchtest du… „
„Was du nicht ok findest ist, dass…“

„Dance in the moment“ und sei immer bei dem anderen. Du kannst später wieder zu dir zurückkehren.

 

Werde zum Entdecker! Nimm selbst die Rolle des unbeteiligten Dritten ein – Beobachte dich und den anderen!

 

Du-Botschaften helfen dir aus deinem Kopf heraus und einen Abstand zur Situation einzunehmen. Du kannst auch offene Fragen stellen, solange es Du-Fragen sind!

„Wie siehst du das genau?“
„Was genau ist dir daran wichtig?“
„Warum siehst du das so?“

So erfährst du mehr, beugst Missverständnissen vor und verschaffst dir Zeit, deine Haltung dazu einzunehmen. Du gibst der anderen Person nicht Recht, du erforschst nur ihre Position. Du wirst sehen wie sich die Energie des anderen gegen dich oder gegen eine Sache legt. Ohne dass du dich geeinigt hast, ohne dass du auch nur in einem einzigen Punkt Recht gibst, sondern nur weil du dich öffnest für ein anderes Weltbild, für die Wahrheit des anderen.

 

Beziehungen wachsen durch Konflikte und Spannungen. Sieh solche Spannungen als Chance an, die dir das Leben schenkt um dich zu entwickeln. Und um deinen Mitmenschen näher zu kommen. Nimm einfach deine Maske ab und hör mal nicht auf die Stimme in deinem Kopf- nur für einen Augenblick.

Ich biete Streitparteien Lösungen, um mit sich selbst und mit der anderen Seite ins Reine zu kommen.

Anton Hofmann

Mediator & Konfliktcoach, Miteinander im Reinen