Warum es manchmal wichtig ist, nicht auf die innere Stimme zu hören und was Kinder damit zu tun haben.

 

Wenn Kinder etwas wissen wollen, können sie ganz schön penetrant sein. Wer kennt nicht die Endlosschleife, die so oder so ähnlich losgehen könnte:

 

Warum isst du nichts?
… weil ich keinen Hunger habe.

 

Warum hast du keinen Hunger?
… weil ich schon gegessen habe.

 

Warum hast du schon gegessen?
… weil ich vorhin schon Hunger hatte.

 

Warum hattest du vorhin schon Hunger?
… und so weiter.

 

Die Warum-Frage lässt sich auf den Gipfel treiben, bis der andere nur noch mit einem entnervten „weil halt“ aussteigt. Aber eigentlich sollten wir, die Großen, uns ein Vorbild nehmen an dem, was Kinder da tun.

Was können wir von Kindern für unser Erwachsenen-Miteinander lernen?

 

Etwa drei Sekunden lang ist in der Psychologie ein durch den Menschen wahrgenommener Gegenwartsmoment, kurzum das, was spirituellere Menschen als das „Jetzt“ bezeichnen. Davon haben wir reichlich. Rechnerisch ergibt das 600 Millionen Gegenwartsmomente im Laufe eines Menschenlebens. Darin liegen Impulse, die uns prägen, Impulse, die uns auch irgendwann vom Kindsein abgebracht haben. Jede Enttäuschung, jede Verletzung, aber auch jede Freude, und jedes Glücksgefühl schlägt darin zu Buche. Zusammengefasst ergeben sie eine einzigartige DNA unserer Lebenserfahrung und legen fest wie wir die Welt sehen. Es gehört zu unserem Menschsein dazu, dass uns eine innere Stimme pausenlos und ganz unterschwellig unsere eigene Geschichte erzählt. Je älter wir werden, desto lauter wird die Stimme und umso mehr projezieren wir unsere Geschichte in all das, was wir erleben.

Nehmen wir ein Beispiel: Eine Freundin erzählt dir von Ihrem Urlaub am Strand in einem Club mit Palmen, Surfen, Yoga usw. und wie gut ihr dies getan hat. Wie leicht ist es dann zu sagen: „Ja, das kann ich verstehen, das war bestimmt super für dich nach den letzten stressigen Wochen.“

Was passiert in genau diesem Moment? Deine innere Stimme findet in einem Sammelsurium an Erfahrungen eine, die maximal vergleichbar mit dem ist, was dir gerade erzählt wird. Du glaubst das zu verstehen, was der andere erlebt hat, aber in Wahrheit erkennst du nur dich selbst wieder. Sehr viel mehr ist es nicht, was oft dahintersteht, wenn wir sagen: „Das kann ich verstehen!“ In Wahrheit aber kannst du es es gar nicht verstehen, weil du hunderte Millionen meist andere Gegenwartsmomente gesammelt hast.

Das heißt, die Welt des anderen wird sich uns nie erschließen? Doch! Und zwar indem wir uns klar darüber werden, dass wir zunächst mal gar nichts verstehen.

 

 

  • … indem wir in aller Konsequenz anerkennen, dass wir alle anders sind und jeder in seiner eigenen Welt lebt.
  • … indem wir unsere eigene Geschichte mal bei Seite lassen – so gut es geht.
  • … indem wir die Neugier haben rauszufinden, wie die Welt des anderen aussieht.

Wenn wir das begriffen haben, können wir der Welt des anderen am nächsten kommen.

 

Und das geht so: Sei neugierig und frage WARUM?

Wenn dir etwas erzählt wird, frage mindestens einmal nach mit den Worten: „Was genau war es, das bei dir zu diesem Gefühl geführt hat?“ Oder: „Wieso genau siehst du das so?“ Bevor dir ein „Hm, verstehe“ entweicht, frage mehrfach nach: Warum? Warum? Warum?

Die Fragen werden einen neuen Raum eröffnen und du erfährst, warum genau im Urlaub das Meer, die Sonne, der Cocktail im Schatten oder was auch immer bei deiner Freundin so ein gutes Gefühl hinterlassen hat. Es ist erstaunlich, wie viel mehr du so über den anderen erfährst und wie oft du durch nachfragen eines Besseren belehrt wirst.

Ob die Stimme in deinem Kopf auf „lautlos“ ist, erkennst du daran, wenn du auf Erzähltes nicht mehr mit einem einfachen „Verstehe“ reagierst, sondern mit einem von Neugier gefütterten „Aha“ oder „Ach so“.

 

Probiere es einfach aus, wenn dir das nächste Mal eine Person, die dir am Herzen liegt, etwas erzählt. Sei ganz bei ihr. Menschen werden dir deine Tiefgründigkeit danken. Du wirst es hier und da auch gesagt bekommen.

Viel mächtiger als bei Urlaubserzählungen ist das Fragenspiel, wenn es um unschöne Gefühle geht, wenn jemand traurig, verärgert oder enttäuscht ist. Kommst du dabei dem Unmutsgefühl einer anderen Person näher, ist das schon ein großer Gewinn für den Menschen, ohne dass sich an der Situation, die das Gefühl bei ihm ursprünglich ausgelöst hat, etwas geändert haben muss.

 

Was wir also von Kindern lernen können? Sie sind wissbegierig und unvoreingenommen. Sie sind noch nicht zu sehr in ihren eigenen Köpfen gefangen und schöpfen aus ihrem Potential, die Welt und die anderen Menschen zu erkunden. Schneiden wir uns doch eine Scheibe davon ab, oder siehst du das anders? .. wenn ja, WARUM?

 

Ich biete Streitparteien Lösungen, um mit sich selbst und mit der anderen Seite ins Reine zu kommen.

Anton Hofmann

Mediator & Konfliktcoach, Miteinander im Reinen