BEEF! – Unglücklich im Konflikt. Was tun?

Welche Konfliktebenen es gibt und wie du raus kommst.

Anwalt, Vermittler, Mediator? Wenn du alleine nicht mehr weiterkommst, ist es ein logischer Schritt einen Dritten zu involvieren. Welche Schritte aus der Konflikt-Klemme die richtigen sind, hängt von einigen Punkten ab. In diesem Artikel stelle ich dir ein Spektrum von Konfliktebenen vor und erkläre dir, welche Maßnahmen unter welchen Umständen ratsam sind, um dir Besserung zu verschaffen.

Worum es geht

Wir sind alle Menschen und unsere Welt besteht einfach gesagt aus dem „sichtbaren“ Teil der Handlungen, Ereignisse und Dinge und dem „unsichtbaren“ Teil, also dem, was wir denken, fühlen und wirklich wollen. Letzteres nimmt in der Psychologie und der Soziologie die entscheidende Bedeutung ein und wird daher oft mit dem Teil eines Eisbergs der unter dem Wasser liegt gleichgesetzt. Weil es so treffend ist sei an dieser Stelle einmal Wikipedia zitiert: Demnach wird die „Beziehungsebene“ als

„die Qualität der zwischenmenschlichen Zusammenarbeit im Sinne der intuitiven, gefühlsmäßigen und sozialen inneren Verbundenheit bezeichnet, mit deren Hilfe sich Menschen außerhalb der Inhaltsebene (auch Sachebene) verbunden fühlen.“

Ein Konflikt, so wie ich ihn definiere, besteht immer aus beiden genannten Ebenen.

 

Die ehrenswerte Sachlichkeit

Ein Konflikt entzündet sich typischer Weise vordergründig an einer Sache, die zwischen dir und einem anderen steht. Beide Seiten haben dabei unterschiedliche Forderungen bezogen auf eine Handlung, auf ein Ergebnis oder auf ein Ereignis. Auf dieser Sachebene stehen etwa Verteilungsfragen (z.B. Erbschaft), Zielfragen (z.B. in einer beruflichen Partnerschaft) oder Rollenfragen (z.B. in einem familiären System). Gesellschaftlich besteht die weit verbreitete Wertung, Konflikte müssten auf dieser greifbaren Sachebene eben rein sachlich gelöst werden. „Sachlich zu bleiben“ gilt als ehrenwert, überlegen und lösungsorientiert. Doch Konflikte in aller Sachlichkeit zu lösen ist schlicht weg nicht möglich. Wir sind Menschen und in Wahrheit sind die Chancen einen Konflikt mit Emotionalität zu lösen deutlich größer.

Die verschrienen Emotionalitäten

Das Bildnis mit dem Eisberg kommt nicht von ungefähr, oft spielt die Beziehungsebene die zentrale Bedeutung. Es dreht sich um das Miteinander von Menschen und um ihre Emotionen. Es geht um dein Ego, um Verletzungen die du erfahren hast oder auch dem anderen angetan hast, um Sympathie und Ablehnung, um Anerkennung und Provokation, letztendlich um den Anspruch von richtig oder falsch und gut und böse in unseren Köpfen. Die Dynamik unseres Mensch-Seins auf dieser Ebene ist so mächtig, dass nicht selten die Sache, um die sich ein Konflikt entwickelt, im Lichte der verursachten materiellen und immateriellen Schäden, kaum der Rede wert ist.

 

Also nochmal und diesmal leicht, aber entscheidend ergänzt:

 

Ein Konflikt, besteht immer aus beiden Ebenen, wobei die Beziehungsebene der Schlüssel ist!

…wenn du aber irgendjemanden einfach nicht leiden kannst aber zugleich nichts mit ihm zu tun hast, dann ist das kein Konflikt. Solltest du darunter tatsächlich leiden, ist es höchstens ein Konflikt mit dir selbst. Vielleicht ist es in diesem Fall hilfreich, dich zu fragen, ob die andere Person so wichtig sein kann, dass du ihretwegen so sehr mit dir haderst? Meist ist sie es nicht. Umgekehrt, wenn auf der Beziehungsebene vollständige Einigkeit, Harmonie und Verbundenheit besteht, dann ist das auch kein Konflikt. Ich bin davon überzeugt, in einer Welt in der wir vollends mit dem anderen verbunden sind, löst sich der Konflikt von alleine.

Was du tun kannst

1. Der gefürchtete juristische Weg

Der bekannteste und gleichzeitig unsensibelste Weg einen Konflikt zu „lösen“ ist die anwaltliche Klage. Das heißt du entscheidest einseitig, den anderen vor Gericht zur Rechenschaft zu ziehen. Dies ist der richtige Weg für dich:

  • wenn du dich damit zufrieden gibst, dass aus dem gesamten Konfliktkontext für nur eine einzige Sachfrage geklärt wird, wer Recht behält,
  • wenn du die Beantwortung dieser Frage vollständig aus der Hand geben willst, nämlich an die Hüter unserer Gesetzestexte,
  • wenn Geld und Zeit für dich keine Rolle spielen,
  • wenn es okay für dich ist, dass es am Ende einen Gewinner und einen Verlierer gibt,
  • und vor allem wenn dir die Beziehung zur anderen Seite nicht (mehr) wichtig ist!

Auch wenn in diesen Zeilen ein gewisser Sarkasmus mitschwingt, sind sie von mir rein „sachlich“ gemeint. Alternativ zum reinen Rechtsweg gibt es übrigens auch noch andere strukturierte formale Verfahren, bei welchen du allerdings höhere Kontrolle über das Ergebnis behältst, beispielsweise durch ein Schiedsverfahren oder eine Schlichtung.

2. Der noble Interessensausgleich.

Auch als Mediation bekannt und sogar gesetzlich verankert, bietet sich der Weg, mit Hilfe einer neutralen, unabhängigen und allparteilichen Person, einen einvernehmlichen Ausgleich, deiner und der Interessen der anderen Seite, zu erreichen. Dies ist der richtige Weg für dich:

  • wenn du dir maximale Mitgestaltung bei der Lösungsfindung wünschst,
  • wenn es dir wichtig erscheint den Konflikt nicht nur auf eine Frage zu reduzieren sondern das große Ganze einzubeziehen,
  • wenn es dir wichtig ist vollständig begleitet, durch den Dritten, inhaltlich zu einem Ergebnis zu kommen,
  • wenn die andere Seite bereit ist, freiwillig mitzumachen und vor allem lösungswillig den Weg für eine Einigung freizumachen!

Durch diesen sensibleren Zugang ist auch mit einem wesentlich differenzierteren und umfassenderen Ergebnis zu rechnen, über das du volle Kontrolle hast. Eine riesen Hürde bei Mediationen besteht darin, von beiden Seiten den Zuspruch für ein solches Verfahren und die Einigung auf eine Person, die dieses leitet, zu erreichen. Viele Verfahren scheitern bereits an dieser Hürde.

3. Der paradoxe Alleingang

Wenn du die Sache selber in die Hand nehmen willst ohne auf das Dazutun der anderen Seite angewiesen zu sein, dann lohnt ein Blick über den Tellerrand der gesetzlichen Gerichtsbarkeiten hinaus.

Hier gibt es tatsächlich auch einen Weg. Dabei ermöglicht dir die Arbeit mit einem Dritten zunächst einseitig die Differenzen in großem Maße aufzulösen. Dies mag für dich widersprüchlich klingen, soweit auf die Inhaltsebene eines konkreten Konflikts abgestellt wird. Gemeint ist aber die Auflösung eben des zugrundeliegenden Konflikts auf der Beziehungsebene.

Dadurch, dass du mit einer neutralen Person einseitig Klarheit über den Konflikt aus deiner Sicht erarbeitest und diese anschließend an die andere Seite vermittelst, können die Unstimmigkeiten nachhaltig beigelegt werden. Voraussetzung ist ein hohes Maß an Ehrlichkeit und die Bereitschaft zu Verzeihen. Ist der inhaltliche Konflikt vom Beziehungskonflikt befreit zeigt sich oft, dass die inhaltliche Differenz überraschend einfach gelöst werden kann und sich in vielen Fällen sogar erübrigt.

Bitte entscheide jetzt für dich, ob 1,2 oder 3. Ob du richtig stehst siehst du wenn das Licht angeht. Für den Fall, dass du den Alleingang für vorstellbar hältst, schau dich auf meiner Website anton-hofmann.de um und mach dir ein Bild, ob du dich von mir als möglicher Begleiter angesprochen fühlst. Ich freue mich dich kennenzulernen.